Wessen Parkplatz ist das eigentlich?

Spanien, ein Parkplatz und ein Deutscher mit Grill

Eine kleine Geschichte aus Spanien über Grills, Musik um 2 Uhr nachts und die Frage, was wir eigentlich meinen, wenn wir von Freiheit reden.

Ich lebe im Van. Das bedeutet: Ich bin viel unterwegs, ich beobachte Menschen in allen möglichen Situationen, und ich habe gelernt, dass ein PKW-Parkplatz kein Campingplatz ist — auch wenn das viele inzwischen anders sehen.

In Spanien stehe ich auf einem solchen Parkplatz. Oben beim Castello in Figueres. Es ist ein normaler Parkplatz für Besucher. Es wird geduldet, dass Camper dort übernachten — solange man unauffällig bleibt, keinen Lärm macht und sich benimmt, als würde man tatsächlich nur parken. Ein stilles Einverständnis zwischen Anwohnern und Reisenden, das auf gegenseitigem Respekt beruht. Oder beruhen sollte.

Dann kommt er. Deutsches Kennzeichen, großer Camper, noch größere Energie. Innerhalb von Minuten stehen Stühle auf dem Asphalt, ein Tisch daneben, und — mein persönliches Highlight — ein Grill. Ein Grill. Auf einem PKW-Parkplatz in Spanien.

Der höfliche Hinweis und seine Folgen

Ich gehe rüber. Freundlich, wirklich. Ich erkläre ihm, dass er vermutlich neu beim Campern im Van ist und vielleicht nicht weiß, wie das hier funktioniert. Dass solche Plätze nur deshalb noch existieren, weil die meisten Camper sich zurückhalten. Dass die Anwohner sonst irgendwann einfach Schilder aufstellen — und dann ist der Platz für alle weg.

Er schaut mich an. Dann sagt er, das würde er immer so machen. Und das gehe mich schließlich nichts an.

Erst war ich sauer. Dann musste ich innerlich kurz schmunzeln — nicht weil es lustig war, sondern weil dieser Satz so unglaublich viel über diesen Menschen verrät. Das gehe mich nichts an. Als ob sein Grill und meine Übernachtungsmöglichkeit nichts miteinander zu tun hätten. Als ob wir zufällig nebeneinander existieren würden, ohne jede Verbindung. Als ob ihn die Gepflogenheiten, Regeln und Bedürfnisse der Menschen in dem Land nichts angehen würden.

Den Grill hat er dann übrigens doch eingepackt. Den Tisch auch — zumindest näher an seinen Camper gerückt. Ob er verstanden hat, worum es ging? Ich bezweifle es. Aber immerhin.

Ein anderer Camper in der Nähe hat mir einen Daumen hoch gegeben. Still, unauffällig, ohne selbst etwas zu sagen. Ich habe ihn angeschaut und gedacht: Danke. Aber wäre dein Daumen vielleicht auch zu ihm gegangen?

Um 2 Uhr nachts kam die Antwort

Ich schlafe schon, als die Musik einsetzt. Laut, sehr laut. Junge Leute, die offensichtlich etwas zu feiern haben — oder einfach keine Lust auf schlafende Camper auf ihrem Parkplatz.

Und weißt du was? Ich habe sie verstanden. Nicht die Lautstärke, aber den Impuls. Ich bin zu Gast in ihrem Land, auf ihrem Parkplatz, in ihrer Nachbarschaft. Das verpflichtet mich zu etwas. Nicht zu Unterwerfung, aber zu Rücksicht. Zu dem Bewusstsein, dass meine Freiheit dort aufhört, wo sie anderen das Leben schwerer macht.

Das ist keine komplizierte Philosophie. Das sollte eigentlich Grundschulstoff sein.

„Leben und leben lassen“

Diesen Satz höre ich oft. Er klingt großzügig, weltoffen, modern. Und manche Menschen verstehen ihn auch, meinen etwas sehr Vernünftiges damit: Lass andere so leben, wie sie wollen, solange sie dir, andern und der Umwelt nicht schaden.

Aber für manche — und das ist mir auf diesem Parkplatz in Spanien wieder aufgegangen — scheint dieser Satz zum Freifahrtschein zu werden. Leben und leben lassen bedeutet dann: Ich mache, was ich will, und du hast damit klarzukommen. Mein Grill, meine Entscheidung. Meine Musik, meine Nacht. Du hast damit ein Problem? Deine Sache.

Das hat für mich nichts mit Freiheit zu tun. Das ist Egoismus mit einem hübschen Motto.

Was ich mir wünsche, ist eigentlich ganz simpel: Dass wir wieder häufiger fragen, bevor wir handeln — nicht „Darf ich das?“ sondern „Wie wirkt das, was ich tue, auf die Menschen um mich herum?“ Diese Frage kostet nichts. Sie verändert aber ziemlich viel. Und sie hat nichts mit Verzicht zu tun — sondern mit dem Bewusstsein, dass wir alle auf demselben Parkplatz stehen.

Ich freue mich, wenn du kurz innehältst und dich fragst: Wo kenne ich das aus meinem eigenen Leben? Wie bin ich in einer solchen Situation wirklich umgegangen — nicht wie ich es hätte tun sollen, sondern wie ich es tatsächlich getan habe? War ich schon mal derjenige mit dem Grill? Oder derjenige, der geschwiegen hat? Ehrlichkeit zu sich selbst ist manchmal unbequem. Aber sie ist der erste Schritt zu echter Veränderung.

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