Ich merke oft erst, dass ich eine Auszeit brauche, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Wenn sich alles ein eng anfühlt, die Gedanken nicht mehr richtig zur Ruhe kommen und selbst kleine Dinge plötzlich anstrengend wirken. Früher habe ich dann gedacht, ich müsste einfach noch kurz „durchziehen“. Noch das erledigen, noch das abhaken. Bis irgendwann wieder Luft ist. Und genauso habe ich auch gelebt. Ich halte selbst dann ein Seminar, wenn ich krank bin. Ist ja sonst keiner da. Das hat mich in diesem Jahr schon sehr nachdenklich gemacht. Mehr an mich zu denken, nicht immer den Zielen hinterher jagen, sondern innehalten, reflektieren und dann eine Entscheidung treffen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich selbst oft nicht an das gehalten, was ich andern empfohlen habe im Seminar. „Du kannst dir immer noch ein paar Minuten Zeit lassen um eine Entscheidung zu treffen. Außer: Leib und Leben sind bedroht. Dann ist sofortiges Handeln gefragt. 3-4 Minuten zum Nachdenken sollten immer bleiben.
Heute versuche ich, früher hinzuhören. Auch mir gelingt nicht immer. Dabei sind gerade diese kleinen Auszeiten zwischendurch wichtig, um uns wieder zu erden, uns zurückzuholen ins Hier und Jetzt. Planen und Denken sollte eine Pause gegönnt werden. Aber wie?
Manchmal ist das einfach ein Spaziergang. Ohne dass ich mir dazu ein Ziel setze. Ich bin auch grundsätzlich ohne Kopfhörer unterwegs. Ich will mir nicht noch mehr Informationen zumuten, sondern die Natur genießen, im Hier und Jetzt sein. Oft gehe ich denselben Weg, ganz unspektakulär. Ein Stück durch den Wald, einen Feldweg, nichts Besonderes. Und trotzdem passiert etwas. Am Anfang ist mein Kopf noch laut, ich gehe eher schnell, fast so, als würde ich irgendwo ankommen müssen, wäre unter Zeitdruck. Aber nach einer Weile merke ich, dass ich langsamer werde. Ich bleibe auch mal stehen, schaue mich um und spüre dabei, dass mir das gut tut. Nun, der Vorteil eines Hundes ist, dass er immer irgendwo schnuppern möchte. Diese Zeiten genieße ich mittlerweile und hetze auch ihn nicht mehr weiter, wie ich das schon getan habe.
Ein anderes Mal sitze ich einfach am Wasser. Ich erinnere mich an einen Nachmittag am Meer, ohne Plan, ohne wirklich zu wissen, wie lange ich bleiben würde. Ich habe einfach nur dagesessen und aufs Wasser geschaut. Nichts Produktives gemacht, nichts „Sinnvolles“. Und das hat sich so gut angefühlt. Eine Zeit, in der nichts von mir erwartet wird.
Und dann gibt es diese ganz einfachen Momente, mitten im Alltag. Ein kleines Café, eher unscheinbar, in dem ich manchmal sitze. Ich bestelle mir einen Kaffee, lege das Handy bewusst weg und schaue einfach nur aus dem Fenster. Menschen gehen vorbei, alles passiert irgendwie weiter – ich bin einfach nur da. Das fällt mir mehr und mehr leichter.
Früher hätte ich gedacht, das ist Zeitverschwendung. Heute weiß ich, dass genau diese Momente mir wieder Energie und Kraft geben, mein Leben und meinen Alltag zu gestalten.
Viele denken, sie könnten nur dann entspannen, wenn sie ein paar Wochen Urlaub haben. Oftmals wird dieser Urlaub dann auch noch exakt geplant. So hangeln sich manche von Urlaub zu Urlaub, ohne wirklich davon zu profitieren. Dabei sind es diese kleinen Auszeiten, die Räume, die wir uns im Alltag schaffen, die genau den Unterschied machen.
Für mich sind es drei Dinge geworden, die mir wichtig sind: draußen sein, am Wasser sitzen oder einfach einen einsamen Spaziergang machen. Es muss nichts besonderes sein, damit ich wieder bei mir ankomme.
Wie sieht das bei dir aus? Was sind deine kleinen Auszeiten, in denen du zur Ruhe kommst, Energie tankst und wieder zu dir findest? Was sind das für Orte, Momente, Erlebnisse. Ich glaube, das Entscheidende ist gar nicht, wo du bist. Sondern dass du dir erlaubst, kurz auszusteigen. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne Druck. Einfach nur, weil du es willst.
Manchmal frage ich mich selbst: Wann habe ich mir das letzte Mal wirklich Zeit genommen, ohne etwas daraus machen zu wollen?
Und wenn ich ehrlich zu mir bin: zu selten.
Heute ist ein guter Moment, das zu ändern. Einfach ein bisschen Raum für sich selbst nehmen.

