Vier Jahre im Van

Vor vier Jahren habe ich eine Entscheidung getroffen, die mein Leben grundlegend verändert hat: Ich bin in meinen Van gezogen.

Ein Schritt, der für manche vielleicht ungewöhnlich klingt, für mich aber genau richtig war. Seitdem ist mein Zuhause sechs Meter lang, hat vier Räder und steht mal hier, mal dort. Im Winter zieht es mich meist nach Spanien, dorthin, wo die Sonne auch in den kühleren Monaten wärmt. Im Sommer bin ich oft in Deutschland unterwegs oder in den nordischen Ländern Skandinaviens, wo die Landschaft weit, die Luft klar und die Tage im Sommer fast endlos sind.

Mein berufliches Leben habe ich dabei nicht aufgegeben. Ich arbeite weiterhin, führe (noch) Seminare bei meinen Kunden vor Ort durch und begleite Menschen in Onlinecoachings. Der Unterschied ist nur: Mein Zuhause reist mit mir.

Vor drei Jahren ist noch jemand dazugekommen, der mein Leben auf eine ganz besondere Weise bereichert hat: mein Kleinpudel Yoshi. Seitdem sind wir zu zweit unterwegs. Yoshi hat mir noch einmal neue Perspektiven eröffnet – auf kleine Momente, auf Geduld, auf Aufmerksamkeit. Mit ihm wird jeder Spaziergang zu einer kleinen Entdeckungsreise, jeder neue Ort zu einem Abenteuer.

Mit der Zeit habe ich unterwegs viel über Glück und Zufriedenheit gelernt. Über das, was wirklich wichtig ist. Über das Innehalten. Über das bewusste Zeitnehmen für Dinge, die im Alltag oft zu kurz kommen.

Das Leben in einem Van ist natürlich kein Luxus im klassischen Sinne. Sechs Meter Raum bedeuten auch sechs Meter Begrenzung. Es gibt Tage, an denen das Wetter schlecht ist, an denen der Platz knapp wird oder an denen Dinge organisiert werden müssen, die zu Hause selbstverständlich wären. Doch genau darin liegt auch eine große Freiheit.

Ich habe gelernt, mit den wirklich wichtigen Dingen auszukommen. Nicht mit vielen – sondern mit den richtigen.

In diesen Jahren durfte ich unzählige wunderbare Orte entdecken: lebendige Städte, kleine Dörfer, weite Küsten, stille Wälder und einsame Landschaften, in denen man das Gefühl hat, die Welt wird plötzlich ganz weit und ruhig.

Noch wertvoller als die Orte sind jedoch oft die Begegnungen gewesen. Unterwegs habe ich viele liebenswerte Menschen kennengelernt. Menschen, mit denen ich gute Gespräche geführt habe, mit denen ich gelacht habe, manchmal einfach schweigend nebeneinandergesessen habe. Begegnungen, die oft nur kurz dauern und trotzdem lange nachklingen.

Natürlich gab es auch Situationen, die nicht so erfreulich waren. Kleine Herausforderungen, unerwartete Schwierigkeiten oder Momente, in denen Dinge einfach anders liefen als geplant. Doch auch diese gehören dazu. Und jedes Mal habe ich erlebt: Es findet sich eine Lösung.

Was mich besonders beeindruckt hat, sind die vielen alleinreisenden Frauen, denen ich begegnet bin. Frauen, die mit ihrem Van oder Wohnmobil unterwegs sind – manche bereits im Ruhestand, andere aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen heraus. Frauen, die ihren eigenen Weg gehen. Die mutig sind, unabhängig und klar wissen, was sie wollen und was ihnen wichtig ist.

Diese Begegnungen inspirieren mich immer wieder. Sie zeigen mir, dass Freiheit viele Gesichter hat – und dass man manchmal nur den Mut braucht, den ersten Schritt zu machen.

Vier Jahre unterwegs zu sein hat mir vor allem eines gezeigt: Glück entsteht nicht durch mehr Besitz, mehr Dinge oder mehr Komfort. Oft liegt es in den einfachen Momenten. In einem Sonnenaufgang. In einem guten Gespräch. In einem Spaziergang mit Yoshi durch eine Landschaft, die gerade erst im Morgenlicht erwacht.

Man braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Nur das Richtige.

Impuls zur Selbstreflexion:
Was sind in deinem Leben die Dinge, die wirklich zählen? Und was könntest du vielleicht loslassen, um mehr Raum für genau diese Dinge zu schaffen?

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