Ist eine Frau ohne Mann nicht vollständig?
Dieser Blogbeitrag ist aus einer Begegnung heraus entstanden, die mich nachdenklich gestimmt hat. Hier in Valencia habe ich eine Frau kennengelernt, Anfang 60, die von sich sagte, sie sei auf der Suche nach sich selbst. Kennengelernt habe ich sie über meinen Reisebegleiter, der vorher schon telefonischen Kontakt zu ihr hatte. Wir haben uns zu dritt getroffen, ganz unkompliziert, auf einen Kaffee. Und ziemlich schnell war für mich spürbar, dass ihr Interesse hauptsächlich ihm galt. Ich habe mich zurückgezogen, ganz automatisch, ohne großes Nachdenken.
Später erzählte mir mein Reisebegleiter von ihrer Geschichte. Von Beziehungen, von Brüchen, von dem Gefühl, jetzt – in diesem Lebensabschnitt – endlich bei sich ankommen zu wollen. Und wieder einmal wurde mir bewusst, wie oft ich genau das erlebe. Frauen, die sagen, sie suchen sich selbst, und doch eigentlich auf der Suche nach einem Mann sind. Nach Halt, nach Sicherheit, nach dem Gefühl, nicht allein zu sein.
In Gesprächen wird dann oft deutlich, wie tief der Gedanke verankert ist, dass eine Frau ohne Mann nicht vollständig ist. Nicht richtig. Nicht genug. Auf meiner Reise werde ich oft gefragt, mit wem ich reise. Ich sage dann immer mit Bruno (das ist mein Campervan) und Yoshi (mein Hund). Wenn sie dann erfahren, dass ich alleine unterwegs bin, sind sie oft erstaunt. Und besonders Frauen (mit Männern an ihrer Seite) sagen dann, dass sie sich das nicht trauen würden. Dabei treffe ich unglaublich viele alleinreisende Frauen, die das hervorragend meistern.
Manche Frauen glauben, sie bräuchten einen Mann, der sie schützt, der sie finanziell absichert oder der ihrem Leben Sinn gibt. Und ich frage dann immer Mal: Warum? Warum definieren sich so viele Frauen über einen Mann? Warum glauben sie, ohne Partner nur eine halbe Person zu sein? Ich kenne keinen Mann, der sich über eine Frau definiert. Keinen einzigen.
Ich bin glücklich mit mir selbst
Eine gute Freundin von mir, nennen wir sie Katrin, hat mir einmal erzählt, wie oft sie darauf angesprochen wird, dass sie keinen Mann hat. Aus der Familie, aus dem Freundeskreis, manchmal sogar von Menschen, die sie kaum kennen. Ob ihr denn nichts fehle. Ob sie nicht langsam jemanden kennenlernen wolle. Das kenne ich übrigens auch. Ein Freund sagte einmal zu ihr – er war frisch verliebt und voller Glück: „Wenn du auch endlich den richtigen Mann findest, wirst du wie ich glücklich sein.“ Katrin hat ruhig geantwortet: „Ich brauche keinen Mann, um glücklich zu sein. Ich bin mit mir selbst glücklich.“ Genauso empfinde ich das auch. Natürlich ist es schön, mit einem Partner gemeinsam Dinge zu erleben, zu genießen. Aber das kann man als Frau ohne Mann doch auch, oder?


Generationenthema
Ich selbst bin in einer Generation aufgewachsen, in der der Lebensweg irgendwie feststand: Man sucht sich einen Mann, heiratet, bekommt Kinder. Bei mir ist das anders gelaufen. Vielleicht, weil ich schon immer ein kleiner Revoluzzer war und früh gespürt habe, dass ich mich nicht von einem Mann abhängig machen möchte – weder emotional noch finanziell. Mein Sohn kam spät in mein Leben, da war ich bereits über vierzig. Ich habe ihn allein großgezogen, emotional und finanziell. Ohne Unterstützung, ohne Sicherheitsnetz. Als Selbstständige war das nicht immer einfach. Es gab Zeiten, in denen das Geschäft gut lief, und Zeiten, in denen es sehr schwierig war. Spätestens mit Corona wurde vieles noch unsicherer.
Abhängigkeit vs. Freiheit
Und trotzdem habe ich nie einen Mann gesucht, der mich rettet oder absichert. Im Gegenteil, es hat genug Chancen gegeben. Nur habe ich immer gespürt, dass das nicht das ist, was ich möchte. Abhängigkeit hätte sich für mich nicht nach Sicherheit angefühlt, sondern nach Verlust von Freiheit. Ich sehe so oft Frauen, die sich anpassen, um eine Beziehung zu halten. Sie tun das, was der Mann oder die Kinder, was andere möchten, und nicht das, was sie selbst brauchen. Sie stellen ihre Wünsche zurück, funktionieren, arrangieren sich. Nach außen sieht alles super aus, aber innerlich sind sie unzufrieden, leer oder erschöpft.
Irgendwann endet die Beziehung, innerlich oder tatsächlich. Und dann stehen sie da und sagen: Jetzt habe ich nichts mehr. Das, was sie sich anfangs vorgestellt haben, hat sich nicht erfüllt. Dann fragen sie sich, was sie falsch gemacht haben. Und schon da liegt der Fehler. Sie suchen den Fehler bei sich selbst. Egal, man hat seinerzeit eine Entscheidung getroffen und jede Entscheidung hat ihre Auswirkung. Die Weichen sind gestellt, man war viele Jahre auf dem Gleis unterwegs. Dann sollte man sich ehrlich die Frage stellen: „Wo habe ich all diesen Jahren für mich selbst gesorgt? Habe ich mir genug Zeit für mich und meine ganz individuellen Bedürfnisse genommen? Oder habe ich mich unterwegs verloren?“ Dann ist es Zeit, die Weichen neu zu stellen und das alte Gleis verlassen.
Ich möchte nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass es wunderbare Beziehungen gibt. Beziehungen, in denen beide wachsen, sich unterstützen und wirklich glücklich sind. Ich erlebe Paare, die seit Jahrzehnten zusammen sind und sich noch immer verbunden fühlen. Das ist schön und berührend. Aber ich begegne eben auch sehr vielen Frauen, die in ihrem Leben nicht wirklich erfüllt sind, weil sie sich selbst zu lange hinten angestellt haben. Und irgendwann haben sie aufgegeben.
Sich von der Illusion lösen
Wenn du dich in einer solchen Situation befindest, ist der erste Schritt, dich von der Illusion zu lösen, dass ein Mann deine Probleme lösen wird. Das tut und kann er nicht. Du kannst deine Vergangenheit nicht ungeschehen machen. Sie ist, wie sie ist. Du nimmst deine Muster, Prägungen und Ängste aus dieser Zeit jedoch mit in jede neue Beziehung. Du hast jedoch die Chance, deine Muster anzuschauen, sie zu konfrontieren und zu lösen. Tust du das nicht, tauchen sie in der nächsten Beziehung wieder auf, sobald die rosarote Wolke verschwunden ist – wenn nicht schon vorher. Ein neuer Partner ist kein Neuanfang, wenn das Alte ungeklärt bleibt.
Der zweite Schritt ist, sich ehrlich zu fragen: Was brauche ich eigentlich, um zu mir zu finden? Was macht mich zufrieden, ruhig, lebendig – ganz unabhängig davon, ob jemand an meiner Seite ist oder nicht? Kann es mir nur gut gehen, wenn ich genug Geld habe? Oder sollte ich erst zu mir finden, zu meinen Interessen, meinen Ideen, meinen Sehnsüchten? Alles andere wird sich finden. So wie du dich bisher um andere gekümmert hast, kannst du dich jetzt um dich kümmern. Lerne loszulassen, deine Beziehung, deine Kinder, deine Muster. Und finde einen neuen, wertschätzenden Umgang mit dir selbst und deiner Familie. Viele Frauen kümmern sich liebevoll um andere, geben ihr letztes Hemd, vergessen sich selbst und merken erst sehr spät, wie viel sie dabei verloren haben.
Selbstwirksamkeit stärken
Im Coaching erlebe ich oft, wie schwer es Menschen fällt, unbekanntes Terrain zu betreten, einen Neuanfang zu wagen. Sie haben Angst, zu versagen, es nicht zu schaffen. Das liegt meist daran, dass sie nicht an ihre Selbstwirksamkeit glauben. Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ich überzeugt davon bin, durch meine Fähigkeiten, Fertigkeiten und Anstrengungen Herausforderungen zu meistern, meine Ziele zu erreichen und meine Probleme zu bewältigen. Diese Selbstwirksamkeit gilt es zu stärken, denn die Themen, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben, lassen sich selten von jetzt auf nachher lösen. Dabei kann eine professionelle Unterstützung sehr nützlich sein. Natürlich kann man mit Freunden über diese Themen sprechen. Diese sind jedoch zu nah an uns dran, zu emotional beteiligt, dass sie wirklich bei einer Veränderung unterstützen können – so gut sie es auch meinen.
Ins Handeln kommen
Hier braucht es jemanden von außen, der neutral hinschaut, dich spiegelt, ehrlich und offen zu dir ist. Jemanden, der keine Partei ergreift, sondern dir hilft, deine eigenen Muster zu erkennen und neue Wege zu gehen.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann vielleicht deshalb, weil es Zeit ist, dir selbst zu begegnen. Nicht in Abhängigkeit von jemand anderem, sondern aus eigener Kraft. Wenn du magst, kannst du dich gern für ein unverbindliches Gespräch bei mir melden – oder dir Unterstützung suchen, die sich für dich richtig anfühlt. Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Aber du darfst ihn für dich gehen.
Gerne kannst du mit mir ein unverbindliches Gespräch vereinbaren oder schau doch einfach mal auf meiner Onlineplattform in meinem LifeLab vorbei. Hier findest du auch einen Einblick in mein Buch: Stell die Weichen neu. Oder du kannst es direkt bei Amazonbestellen.
Jetzt bist du dran. Starte jetzt mit der Veränderung.
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